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Landratsamt Wismar: SEK überwältigt Mann - Baby wohlauf

Ein Spezialeinsatzkommando (SEK) der Polizei hat in Wismar einen Mann überwältigt, der in der Ausländerbehörde sein mutmaßlich eigenes Baby rund fünf Stunden in seiner Gewalt hatte. Der zwei Monate alte Säugling sei wohlauf und in Obhut genommen worden, sagte ein Polizeisprecher am Abend. Er stehe unter ärztlicher Beobachtung. Bei dem Zugriff blieb demnach auch der Mann aus Ghana unverletzt. Er wurde vorläufig festgenommen.

Täter wollte offenbar Abschiebung entgehen
Der 22-Jährige hatte den Angaben zufolge einen Vaterschaftstest gefordert, um zu beweisen, dass er der Vater des Kindes ist. Damit wollte er offenbar seine bevorstehende Abschiebung verhindern. Wie lange der Mann bereits in Deutschland ist und warum er abgeschoben werden soll, ist nicht bekannt. "Er muss eine sehr starke Verzweiflung gespürt haben", sagte Polizeisprecherin Sibylle Hofmann NDR 1 Radio MV.

Polizistin: "Haben versucht, ihn zu überzeugen"
Polizeisprecherin Sibylle Hofmann: "Wir hatten Sorge, dass das Kind nicht genug Luft bekommt."
Der Mann war am Donnerstagnachmittag mit der Mutter des Kindes in die Ausländerbehörde gekommen. Kurz vor 14 Uhr eskalierte laut Polizei die Situation: Der Ghanaer brachte das Baby in seine Gewalt. Eine Verhandlungsgruppe war lange Zeit in Kontakt mit ihm, um die Situation friedlich zu lösen. "Wir haben verschiedenste Ansätze probiert und immer wieder versucht, ihn zu überzeugen", so Hofmann weiter.

"Hätten das Kind in keine Gefahr gebracht"
Währenddessen kümmerte sich eine Notärztin um das Kind. Der Mann trug den Säugling in einer Tragetasche vor der Brust bei sich und ließ die Ärztin an das Kind, wurde aber aggressiv, sobald sich Polizisten näherten. "Die meiste Zeit war das Kind geschützt. Aber tatsächlich gab es die Situation, dass er stark die Arme um das Kind gelegt hat. Aber wir waren immer in der Nähe. Wir hätten das Kind in keine Gefahr gebracht", so die Polizeisprecherin.

Ärztin untersucht Kind - SEK greift zu
Zwischenzeitlich soll der Mann damit gedroht haben, das Kind fallenzulassen. Er war laut Polizei unbewaffnet. Als er am Abend der Ärztin das Kind für einen Check übergab, habe das SEK den günstigen Augenblick genutzt und zugegriffen - mit "einfacher körperlicher Gewalt", wie es hieß. "Wir konnten gemeinsam mit der Notärztin den Vater davon überzeugen, dass das Kind eindringlich untersucht werden muss, weil wir Sorge hatten, dass das Kind nicht genug Luft bekommt", sagte die Polizeisprecherin.

Gebäude stundenlang abgeriegelt
Das Landratsamt, in dem sich die Ausländerbehörde befindet, war zuvor geräumt und abgeriegelt worden. Das Geschehen spielte sich in einem Trakt im Erdgeschoss ab. Die Rolläden waren meist geschlossen. Die Einfahrt zur Rostocker Straße auf Höhe der Polizeiinspektion war für mehrere Stunden gesperrt. Am frühen Abend war die Sperrung aufgehoben worden. Die Polizei gab während des Einsatzes nur spärliche Informationen an die Öffentlichkeit - aus taktischen Gründen, wie es hieß.

Landrätin: "Dieser Termin ist eskaliert"
Nach Angaben von Nordwestmecklenburgs Landrätin Kerstin Weiss (SPD) kam es zu dem Vorfall im Zuge eines Termins bei der Behörde. "In einer Ausländerbehörde werden ja nicht nur angenehme Dinge geklärt. Da geht es auch um Identitätsfeststellungen und Abschiebungen. In diesem Zusammenhang gab es einen Termin. Und dieser Termin ist eskaliert."


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