Was ist ein Deeskalationstraining?
Ein Deeskalationstraining vermittelt Beschäftigten mit Publikumsverkehr, wie sie Konflikte früh erkennen, angespannte Gespräche durch verbale Deeskalation entschärfen und sich schützen, wenn eine Situation kippt. Bei Gisbo leiten Einsatz- und Schulungstrainer aus dem Justizdienst die Seminare. Wer GisboAlarm nutzt, übt im Training zusätzlich, wie man richtig auf einen Alarm reagiert.
Beschäftigte im Bürgerbüro, am Empfang oder an Gerichten erleben immer wieder, dass ein Gespräch laut, bedrohlich oder aggressiv wird. Der Arbeitgeber muss sie davor schützen. Ein Deeskalationstraining ist eine der Maßnahmen, die ihm dafür zur Verfügung stehen, neben baulichen und organisatorischen Maßnahmen und einem Alarm, der im Notfall Hilfe holt.
Warum Gewaltprävention am Arbeitsplatz Pflicht ist
Was verstehen wir unter Gewalt?
Bei Gewalt denken die meisten an Drohungen, Schreien oder körperliche Übergriffe. Am Arbeitsplatz ist der Begriff weiter gefasst. Die Internationale Arbeitsorganisation (ILO) definiert Gewalt am Arbeitsplatz als „jede Handlung, Begebenheit oder von angemessenem Benehmen abweichendes Verhalten, wodurch eine Person im Verlauf oder in direkter Folge ihrer Arbeit schwer beleidigt, bedroht oder verletzt wird.“
Verbale und nonverbale Angriffe hinterlassen keine sichtbaren Verletzungen, belasten die Betroffenen aber oft lange. Häufig bekommen sie dann noch zu hören: „Wenn du das nicht aushältst, bist du in diesem Beruf fehl am Platz.“ Auch diese Belastung muss der Arbeitgeber ernst nehmen.
Das Arbeitsschutzgesetz verpflichtet Arbeitgeber, die Arbeitsbedingungen zu beurteilen und die notwendigen Maßnahmen zum Schutz der Beschäftigten zu ergreifen (§§ 3, 4, 5 ArbSchG). Seit 2013 nennt § 5 Abs. 3 Nr. 6 ArbSchG ausdrücklich psychische Belastungen bei der Arbeit als eine der Gefährdungen, die zu beurteilen sind. Wer Arbeitsplätze mit Kundenkontakt auf Bedrohungen und Übergriffe hin untersucht, erfüllt damit eine gesetzliche Pflicht und verbessert zugleich das Betriebsklima.
Folgen von Gewalt
Hilflosigkeit, Unsicherheit, Überforderung, Verzweiflung oder Rückzug sind normale Reaktionen auf ein traumatisches Ereignis und können Stunden oder Tage anhalten. Bleiben sie länger bestehen oder verstärken sie sich, gelingt es den Betroffenen nicht, das Erlebte zu verarbeiten. Dann droht eine ernsthafte Erkrankung, etwa eine Depression, eine Angststörung oder eine Posttraumatische Belastungsstörung (PTBS) mit Flashbacks, Schlafstörungen und ständiger Anspannung.
Für die Organisation bedeutet das oft längere Ausfallzeiten, Mehrarbeit für das übrige Team und ein schlechteres Betriebsklima.
Deeskalationstechniken muss man üben
In einer Organisation mit Publikumsverkehr gehören Deeskalationsmaßnahmen deshalb zum Arbeitsschutz. Sie stärken das Sicherheitsempfinden der Beschäftigten. Techniken wie ruhiges Zuhören, Abstand halten oder den Weg zur Tür freihalten lassen sich schnell erklären. In einer echten Bedrohungssituation greift aber nur, was vorher geübt wurde. Praktische Übungen und Videofeedback sind deshalb fester Bestandteil unserer Seminare.
