Rangelei in Rommerskirchen

An einem Montagnachmittag im Sommer 2017 ist es im Rathaus der Gemeinde Rommerskirchen zu tumultartigen Szenen gekommen. Mitglieder einer elfköpfigen Familie randalierten im zweiten Stock der Verwaltung an der Bahnstraße und bedrohten Beschäftigte. Über ein internes Alarmsystem holten die Mitarbeitenden Unterstützung, die Polizei nahm schließlich zwei Jugendliche in Gewahrsam. Verletzt wurde niemand.

Wie sich die Lage im Rathaus entwickelte

Die Familie hatte zuvor das Sozialamt aufgesucht. Nach Schilderung einer Mitarbeiterin war die Stimmung von Beginn an aggressiv, ein sachliches Gespräch kam nicht zustande. Kurz nach 14 Uhr eskalierte die Situation. Laut dem Bericht rissen die Mutter und ältere Kinder Infotafeln ab und warfen mit Gegenständen. Ein Familienmitglied griff zu einem Feuerlöscher aus dem Flur und bedrohte damit Beschäftigte, ein Kind kündigte an, sich vom Balkon zu stürzen.

Die Beschäftigten des Sozialamts alarmierten über das interne System ihre Kollegen vom Ordnungsamt. Als auch diese die Familie nicht beruhigen konnten, verständigten sie die Polizei. Mit fünf Streifenwagen rückten die Beamten an und nahmen einen 16-jährigen Sohn und eine 17-jährige Tochter in Gewahrsam, auch um weitere Straftaten zu verhindern. Die übrigen Familienmitglieder konnten sie beruhigen.

Wie die Gemeinde reagierte

Die Gemeinde erstattete Anzeigen unter anderem wegen Sachbeschädigung, Bedrohung, versuchter Körperverletzung und Hausfriedensbruchs. Gemeindesprecherin Bele Hoppe sprach von einem Einzelfall, wie es ihn in Rommerskirchen noch nicht gegeben habe. Die Familie sei aber schon früher mit verbalen Ausfällen gegenüber Beschäftigten aufgefallen. Worum es im Kern ging, war zunächst unklar. Die Zeitung erinnerte in diesem Zusammenhang an die tödliche Messerattacke im Jobcenter Neuss fünf Jahre zuvor.

Mit Dezernent Hermann Schnitzler und allen Beteiligten wurde der Vorfall anschließend nachbesprochen. Man war sich einig, dass das Alarmsystem gut funktioniert hatte. Zudem sollte der bereits geplante Selbstverteidigungskurs für die Verwaltungsbeschäftigten nun umgesetzt werden.

Was andere Verwaltungen daraus lernen können

Der Ablauf in Rommerskirchen folgt einer sinnvollen Eskalation. Erst kommen Kollegen aus dem Haus, dann die Polizei. Damit das funktioniert, muss jeder wissen, wer auf einen Alarm reagiert und ab wann die Polizei gerufen wird. Ein mehrstufiges Alarmierungssystem bildet diese Abfolge technisch ab. Ebenso wertvoll war die Nachbesprechung mit allen Beteiligten, die zur Nachsorge gehört. Neben Selbstschutz lohnt ein Deeskalationstraining, weil es früher ansetzt. Wie Kommunen solche Bausteine verbinden, zeigt unser Beitrag zur Gewaltprävention im öffentlichen Dienst.

Quelle: Rheinische Post (RP Online), Bericht aus dem Sommer 2017