Nach dem Amoklauf in Lörrach am 19. September 2010, der auch das St. Elisabethen-Krankenhaus betraf, hat der Sicherheitsexperte Heinrich Knoche verborgene Alarmknöpfe für Kliniken empfohlen. Über einen solchen stillen Alarm könne die ständig besetzte Brandmeldezentrale eines Krankenhauses verständigt werden. Die Lörracher Klinik selbst sah laut dem Bericht keinen Anlass, ihr Sicherheitskonzept zu ändern.
Welche Vorkehrungen der Experte vorschlug
Knoche organisierte an der Akademie für Krisenmanagement, Notfallplanung und Zivilschutz Seminare für Krankenhäuser. Nach seiner Einschätzung sollte jede Abteilung einen Alarmknopf haben, der wie am Bankschalter unauffällig ausgelöst wird. Ihm sei damals kein Krankenhaus in Deutschland bekannt gewesen, das so ausgestattet war. Grundsätzliche Sicherheitsmängel sah er in Kliniken zwar nicht, das Thema Amok müsse nach Lörrach aber deutlich stärker in die Sicherheitsplanung einfließen.
Außerdem riet er zu regelmäßigen Sicherheitsbesprechungen, an denen neben dem Katastrophenschutzbeauftragten auch Verwaltungsleitung und Chefärzte teilnehmen. Diese Aufgabe könne ein Arzt, eine Pflegekraft, ein Techniker oder ein Verwaltungsmitarbeiter übernehmen. Auch beim Zugang empfahl er mehr Sorgfalt. Nebeneingänge sollten geschlossen bleiben, am Haupteingang sollte Personal Besucher erst nach einem kurzen Gespräch einlassen. Vielerorts sei die Gutgläubigkeit noch groß, sagte Knoche.
Warum die Lörracher Klinik keinen Änderungsbedarf sah
Verwaltungsleiter Andreas Heuser hielt das bestehende Konzept für im Grundsatz bewährt. Ein Krankenhaus mit Ambulanz und Besucherverkehr lasse sich im Alltag nicht gegen jeden denkbaren Fall absichern. Am Abend der Tat seien die meisten der 180 Patienten gut vom Geschehen abgeschirmt gewesen.
Was Kliniken heute daraus mitnehmen können
Die Diskussion von 2010 zeigt, dass Amok im Krankenhaus eigene Regeln braucht. Anders als beim Feueralarm sollen Patienten und Beschäftigte bei einer Bedrohung im Haus nicht auf die Flure, sondern geschützt in den Räumen bleiben. Das setzt voraus, dass eine Warnung die betroffenen Stationen schnell und mit klarer Anweisung erreicht und sich eindeutig von der Brandmeldung unterscheidet. Ein stiller Alarm muss dabei nicht an einen festen Knopf gebunden sein, er kann auch vom Rechner oder Telefon ausgehen. Wie das im Klinikalltag aussehen kann, beschreibt unser Beitrag Stiller Alarm im Krankenhaus. Im selben Jahr 2010 hat Gisbo zusammen mit der Arbeitsgruppe Sicherheit der Justiz Rheinland-Pfalz die eigene Alarmierungssoftware konzipiert.
Quelle: Badische Zeitung (dpa), Meldung aus dem September 2010
