Ämter sind gegen aggressive Besucher gerüstet

Im März 2018 musste das Ordnungsamt in Geislingen die Polizei rufen, weil ein Besucher so aggressiv wurde, dass es nach Worten von Ordnungsamtschef Philipp Theiner beinahe zu Handgreiflichkeiten kam. Ein Alarmierungssystem, über das man schon vorher nachgedacht hatte, soll nun definitiv kommen. Die Geislinger Zeitung fragte im Mai 2018 auch beim Landratsamt und bei der Arbeitsagentur Göppingen nach, wie sie ihre Beschäftigten schützen.

Warum es im Ordnungsamt häufiger Konflikte gibt

Theiner leitet seit 2014 den Fachbereich Bürgerservice. Er beobachtet, dass die Hemmschwelle in den vergangenen eineinhalb Jahren gesunken sei, auf der Straße ebenso wie im Amt. Im Ordnungsamt müsse man Anliegen oft ablehnen und die Gründe dafür erklären. Manche Besucher hielten sich durch Recherchen im Internet für bestens informiert, was häufig nicht zutreffe. Hinzu komme, dass es oft um belastende Themen wie Wohngeld, Aufenthaltsstatus oder den Führerschein gehe.

Bisher arbeitet das Amt mit einem Codewort. Fällt es in einem Telefonat, kommt eine Kollegin oder ein Kollege vorbei. Die Beschäftigten im Gemeindevollzugsdienst erhalten Schulungen in Deeskalation und Selbstverteidigung, was Theiner ausdrücklich dem Arbeitsschutz zuordnet.

Wie Landratsamt und Arbeitsagentur vorgehen

Im Landratsamt gibt es nach Auskunft von Pressesprecherin Julia Schmalenberger ähnliche Kurse sowie eine Alarmierung über die Telefonanlage. Seit Juni 2015 können Beschäftigte außerdem über eine Taste am Computer festgelegte Kolleginnen und Kollegen verständigen. Zusätzlich sollen sie ihren Arbeitsplatz so einrichten, dass ein Rückzug möglich ist, und sich vor schwierigen Terminen Unterstützung organisieren.

Thekla Schlör, Leiterin der Agentur für Arbeit Göppingen, sieht eine gesellschaftliche Entwicklung über rund zehn Jahre, in der Grenzen im Kleinen immer öfter überschritten werden. Ein- bis zweimal im Jahr würden Mitarbeitende angespuckt oder körperlich angegangen. Das führe stets zu Hausverbot und Anzeige. Viel häufiger seien verbale Ausfälle, wobei es sich um Einzelne handle. In den Jobcentern sei die Anspannung höher, weil viele Menschen dort unter großem finanziellen Druck stünden, der durch drohende Sanktionen noch wachse. Die Büros sind so eingerichtet, dass niemand an einem Angreifer vorbei flüchten muss. In Göppingen und Geislingen ist ein Sicherheitsdienst präsent, der über eine Tastenkombination am PC gerufen werden kann. „Oft reicht es aus, wenn einfach jemand da ist“, sagt Schlör.

Was sich daraus für andere Behörden ableiten lässt

Die drei Häuser kombinieren Technik, Raumgestaltung und Schulung. Ein Codewort am Telefon ist ein Anfang, setzt aber voraus, dass jemand erreichbar ist und zuhört. Ein stiller Alarm am Arbeitsplatz erreicht dagegen mehrere festgelegte Personen gleichzeitig. Genauso wichtig sind wiederkehrende Seminare und Workshops zur Deeskalation. Welche Anforderungen Jobcenter, Ordnungsämter und andere Bereiche stellen, zeigt unsere Übersicht der Branchen.

Quelle: Südwest Presse / Geislinger Zeitung, Bericht vom Mai 2018