Messer-Attacke auf Altenas Bürgermeister Andreas Hollstein

Am Abend des 27. November 2017 ist der Bürgermeister von Altena, Andreas Hollstein (CDU), in einem Imbiss in der Innenstadt mit einem Messer angegriffen worden. Der 54-Jährige kam mit dem Rettungswagen ins Krankenhaus, konnte es aber noch am selben Abend verlassen. Die Staatsanwaltschaft Hagen sprach von einem Attentat, die Landesregierung wertete die Tat als schwere politische Straftat.

Was über den Angriff bekannt wurde

Nach den ersten Berichten war der 56-jährige Angreifer offenbar betrunken und kritisierte lautstark die Politik des Bürgermeisters. Laut der WAZ soll er Hollstein vorher gefragt haben, ob er der Bürgermeister sei. Aus Polizeikreisen hieß es, Hollstein sei nicht in Lebensgefahr gewesen. Ein Mann, der ihm helfen wollte, wurde ebenfalls verletzt, schwebte aber auch nicht in Lebensgefahr. Der Täter wurde gefasst. Hollstein sagte der Nachrichtenseite „Lokalstimme“, er habe beherzte Menschen an seiner Seite gehabt und sei froh, noch zu leben.

Altena nimmt mehr Geflüchtete auf, als es nach dem Verteilschlüssel des Landes müsste, und hatte dafür 2017 den Nationalen Integrationspreis erhalten. Der Bürgermeister war für seine offene Haltung bundesweit bekannt und hatte laut Medienberichten bereits Hassmails bekommen. Im Oktober 2015 hatten zwei Männer in Altena ein Haus angezündet, weil sie keine Geflüchteten als Nachbarn wollten.

Wie die Landespolitik reagierte

Ministerpräsident Armin Laschet erfuhr von dem Angriff am Rande der Verleihung des NRW-Staatspreises in Köln, bei der er Hollsteins Engagement gerade gewürdigt hatte. Er nannte Gewalt gegen Bürgermeister und ehrenamtlich Tätige „verabscheuungswürdig“ und betonte, die Ermittler gingen von einem politischen Hintergrund aus. Hollstein habe sich bereits aus dem Krankenhaus gemeldet und für die Anteilnahme bedankt. Der Fall erinnerte an den Messerangriff auf die spätere Kölner Oberbürgermeisterin Henriette Reker im Oktober 2015. Sie war einen Tag vor der Wahl an einem Wahlkampfstand schwer verletzt worden und trat ihr Amt nach mehreren Wochen Genesung an.

Was Kommunen aus dem Fall ableiten können

Der Angriff geschah nicht im Rathaus, sondern an einem ganz alltäglichen Ort. Die Gefährdungsbeurteilung für Amtsträger sollte daher auch Termine außerhalb der Verwaltung und die Freizeit in der eigenen Stadt einbeziehen. Hassmails sind dabei ernst zu nehmen, sie sollten dokumentiert und mit der Polizei besprochen werden. Wer unterwegs ist, kann mit einer Alarm App auf dem Smartphone schnell Unterstützung anfordern. Wie Städte ihre Mitarbeitenden und Amtsträger insgesamt besser schützen, beschreibt unser Beitrag zur Gewaltprävention im öffentlichen Dienst.

Quelle: Die Welt, Bericht vom 28. November 2017