Am Vormittag des 5. März 2018 hat ein 48-jähriger Mann im Rathaus Stadtlohn randaliert. Nach einem Streit um eine zusätzliche Zahlung im Sozialamt zerstörte er Computer, einen Kopierer und eine Vitrine und verwüstete anschließend das Bürgerbüro. Ein Mitarbeiter des Ordnungsamts überwältigte ihn, die Polizei nahm ihn in Gewahrsam. Verletzt wurde niemand, beide Bereiche blieben für Besucher geschlossen.
Wie der Vormittag im Rathaus ablief
Hermann Kösters vom Fachbereich Zentrale Steuerung schilderte den Hergang so: Gegen 9 Uhr sprach der Mann, der regelmäßig Leistungen des Sozialamts bezog, bei seinem Sachbearbeiter vor. Er verlangte laut Stadt mehr Geld, als ihm gesetzlich zustand, konkret eine zusätzliche Zahlung von etwas über 100 Euro. Weil er sich stark aufregte, holte der Sachbearbeiter den Amtsleiter dazu. Das Gespräch schien zunächst geklärt und wurde beendet.
Kurz darauf kam der Mann jedoch zurück, schlug die Tür zu und beschimpfte den Mitarbeiter. Danach ging er durch den Flur, warf einen Prospektständer und eine PC-Station für Besucher um und kippte einen großen Kopierer. Im Eingangsbereich zerschlug er die Scheibe einer Vitrine mit historischen Fundstücken. Im Bürgerbüro riss er eine weitere PC-Station zu Boden, räumte einen Schreibtisch ab und beschädigte dabei einen Fingerabdruckscanner. Die Mitarbeiterin dort brachte sich in Sicherheit, bevor ein herbeigeeilter Kollege vom Ordnungsamt den Mann festhielt.
Was danach im Rathaus geschah
Der Sachbearbeiter aus dem Sozialamt wurde nach Hause geschickt, das Team im Bürgerbüro sprach das Erlebte gemeinsam in einer Runde durch. Weil die Technik so stark beschädigt war, konnten zunächst keine Anträge angenommen werden. Der Sachschaden ging nach ersten Angaben in die Tausende, genau beziffern ließ er sich am Montag noch nicht. Laut Kösters kommen Spannungen im Sozialamt gelegentlich vor, ein solcher Ausbruch sei aber die Ausnahme. An den Schreibtischen im Sozialamt gibt es Alarmknöpfe, über die Kollegen gerufen werden können.
Was andere Verwaltungen daraus lernen können
Der Fall zeigt, dass eine scheinbar beruhigte Lage erneut kippen kann. Wer in einem Deeskalationstraining gelernt hat, solche Signale zu erkennen, kann Gespräche besser beenden und Kollegen frühzeitig einbinden. Außerdem bewegte sich der Mann durch mehrere Bereiche des Hauses. Ein Alarmknopf, der nur Kollegen im selben Amt verständigt, warnt das Bürgerbüro oder den Empfang nicht. Ein mehrstufiges Alarmierungssystem kann festlegen, dass bei einem stillen Alarm auch angrenzende Abteilungen eine Meldung erhalten. Die gemeinsame Nachbesprechung am selben Tag ist ein gutes Beispiel für Nachsorge, die nach solchen Vorfällen nicht fehlen sollte.
Quelle: Münsterland Zeitung, Bericht von Stefan Grothues aus dem März 2018
