Stiller Alarm im Landratsamt: Immer mehr Details zum Messerstecher werden bekannt

Im März 2019 hat ein 33-jähriger Mann im Innenhof eines Mehrfamilienhauses in der Bahnhofstraße in Donauwörth ein Ehepaar mit einem Messer angegriffen. Der Ehemann starb, seine Frau kam schwer verletzt ins Krankenhaus. Bei einer Pressekonferenz wurde danach bekannt, dass der Mann wenige Wochen zuvor im Landratsamt Donau-Ries so bedrohlich aufgetreten war, dass eine Mitarbeiterin den stillen Alarm auslöste.

Was sich am 21. Februar im Landratsamt abgespielt hat

Landrat Stefan Rößle, Abteilungsleiterin Christine Geiger und Fachbereichsleiter Johann Stark informierten laut der „Donauwörther Zeitung“ über die Vorgeschichte. Der Mann war der Behörde und der Polizei demnach seit längerem bekannt. Am 21. Februar 2019 hatte er einen für ihn nachteiligen schriftlichen Bescheid erhalten.

Am selben Tag rief er zunächst im Amt an und verlangte Geld. Stark erklärte ihm, dafür nicht zuständig zu sein. Etwa eine Stunde später, kurz vor Mittag, stand der Mann dann unangemeldet in einem Büro. Er war an den Sicherheitskräften vorbeigekommen, die nach mehreren Tumulten bereits den Eingang kontrollierten. Eine Mitarbeiterin löste daraufhin den stillen Alarm aus. Nach Starks Einschätzung stand der Mann kurz davor, Beschäftigte anzugreifen, die Lage sei beinahe eskaliert. Den Bediensteten gelang es nicht, ihn aus dem Raum zu bringen. Erst die Polizei konnte ihn hinausbegleiten. Das Amt erstattete Anzeige wegen Hausfriedensbruchs. Am 6. März erschien der Mann erneut, um einen Antrag auszufüllen.

Wie die Behörde mit dem Fall umgeht

Ob die behördlichen Entscheidungen die Tat ausgelöst haben, wollte und konnte Landrat Rößle nicht beurteilen. Er nannte den Fall bestürzend und betonte, dass jedes Verfahren einzeln und gründlich geprüft werde, was in diesem Fall intensiv geschehen sei. Unter den Mitarbeitenden des Landratsamts kreist seitdem vor allem ein Gedanke: „Er hätte auch bei uns ausrasten können.“ Das Motiv für die Tat in Donauwörth war zum Zeitpunkt des Berichts weiter unklar.

Was Behörden mit Publikumsverkehr daraus lernen können

Der Fall zeigt, dass eine Einlasskontrolle allein nicht ausreicht. Gelangt eine aufgebrachte Person trotzdem in ein Büro, muss die betroffene Mitarbeiterin Hilfe holen können, ohne die Situation weiter anzuheizen. Ein stiller Alarm erfüllt diese Aufgabe, wenn klar geregelt ist, wer kommt und was die Helfenden tun. Ebenso sinnvoll ist es, auffällige Vorfälle zu dokumentieren und bei späteren Terminen vorbereitet zu sein.

Ein Tumult in einer Behörde ist für die Beschäftigten eine erhebliche Belastung, auch wenn niemand verletzt wird. Nachsorge und Schulungen gehören deshalb zum Konzept. In einem Deeskalationstraining üben Teams, wie sie in solchen Momenten Abstand halten und Zeit gewinnen. Wie Städte das Thema angehen, beschreibt unser Beitrag zur Gewaltprävention im öffentlichen Dienst.

Quelle: Schwäbische Zeitung unter Berufung auf die „Donauwörther Zeitung“, Bericht vom März 2019