Gefahrenzone öffentlicher Dienst

Seit dem Frühjahr 2016 sammelt die Beamtenbund-Jugend NRW unter dem Titel „Gefahrenzone öffentlicher Dienst“ Berichte über Angriffe auf Beschäftigte von Behörden, Schulen und Rettungsdiensten. Im Januar 2017 zog ein Beitrag des WDR eine erste Bilanz und stellte die Kampagne neben Zahlen aus der Kriminalstatistik und einer Langzeitstudie zur Gewaltbereitschaft. Die Landesregierung wollte den Schutz der Beschäftigten über den Bundesrat stärken.

Was die Kampagne bisher zusammengetragen hat

Auf der Plattform angegriffen.info können Betroffene online schildern, was ihnen im Dienst widerfahren ist. Zum Zeitpunkt des Berichts waren dort rund 500 Fälle veröffentlicht, von angegriffenen Lehrkräften über beschimpfte Rettungssanitäter bis zu geschlagenen Beschäftigten in Jobcentern. Die meisten Einträge gingen allerdings auf Medienberichte zurück und nicht auf Meldungen der Betroffenen selbst. Für die Kampagne erhielt der Verband den Politikaward einer Fachzeitschrift für politische Kommunikation in der Kategorie „Kampagne für kleines Budget“.

Welche Ursachen der Bericht nennt

Gewalt gegen Rettungskräfte wird seit 2011 in der Kriminalstatistik gesondert ausgewiesen. 2011 waren dort 204 Opfer von Gewaltkriminalität verzeichnet, 2015 schon 289. Der Bericht führt das unter anderem darauf zurück, dass Sanitäter häufiger mit Menschen zu tun haben, die durch psychische Erkrankungen oder Drogen enthemmt sind.

Der Gewaltforscher Andreas Zick hatte Ende November 2016 neue Ergebnisse seiner Langzeitstudie vorgestellt, die seit 2002 alle zwei Jahre Einstellungen in der Bevölkerung erhebt. Danach billigen 11 Prozent Gewalt, 14 Prozent wären selbst dazu bereit. Diese Werte sind nach Zicks Einschätzung seit etwa zehn Jahren stabil. Sorge bereitete ihm, dass immer mehr Menschen wütend auf den Staat seien, weil sie nicht bekämen, was ihnen aus ihrer Sicht zusteht. Verstärkt werde das durch das Selbstverständnis vieler Ämter als Dienstleister. Auch Lehrkräfte erleben laut dem Bericht wegen überzogener Erwartungen von Eltern häufiger verbale und körperliche Angriffe. NRW-Ministerpräsidentin Hannelore Kraft wollte über den Bundesrat erreichen, dass alle Beschäftigten des Staates vor Übergriffen und Beleidigungen besser geschützt werden.

Was Dienststellen selbst tun können

Dass die Plattform ihre Fälle überwiegend aus der Presse bezieht, deutet darauf hin, wie selten Betroffene Vorfälle selbst melden. Ein einfaches internes Meldeverfahren ist deshalb die Grundlage jeder Gefährdungsbeurteilung. Wo Unmut über abgelehnte Ansprüche absehbar ist, helfen klare Erklärungen und ein Deeskalationstraining für Beschäftigte mit Publikumsverkehr. Kippt ein Gespräch dennoch, sollten sie über einen stillen Alarm unauffällig Unterstützung holen können. Wie Kommunen diese Bausteine zusammenführen, beschreibt unser Beitrag zur Gewaltprävention im öffentlichen Dienst.

Quelle: WDR, Beitrag von Katja Artsiomenka aus dem Januar 2017