Seit Anfang Februar 2025 ist das Rathaus in Rüsselsheim nicht mehr frei zugänglich. Eingelassen wird nur noch, wer einen Termin hat. Oberbürgermeister Patrick Burghardt begründet den Schritt mit einer Reihe von Angriffen auf städtische Einrichtungen und Beschäftigte. Zuletzt hatte ein Unbekannter den Eingang des Ordnungsamts im Palais Verna mit Öl übergossen.
Welche Vorfälle der Entscheidung vorausgingen
Nach dem Bericht des Hessischen Rundfunks waren Tür, Wände und Treppe des denkmalgeschützten Gebäudes verschmiert, vermutlich mit Altöl. Wer die Tat begangen hat und aus welchem Grund, ist nicht bekannt. Burghardt hält Ärger über eine Entscheidung des Ordnungsamts für denkbar und sieht in der Aktion einen Angriff auf die Stadt und auf die Menschen, die dort arbeiten. Am selben Tag wurde die Eingangstür des Umweltamts mit Kot beschmiert.
Beschäftigte der Stadt schildern außerdem regelmäßig Beleidigungen und verbale Übergriffe. Laut Burghardt reicht das von Anschreien bis zu Morddrohungen. Anfang Januar habe ein aggressiver Straftäter im Büro einer Mitarbeiterin gestanden und sie bedroht. Verletzt wurde bislang niemand. Der Oberbürgermeister führte die Stadt bereits von 2011 bis 2018 und sagt, in dieser Zeit seien solche Vorfälle kein Thema gewesen. Allein im Jahr 2024 habe er dreimal so viele Hausverbote erteilt wie in der gesamten ersten Amtszeit. An Silvester wurden in Rüsselsheim zudem erstmals Feuerwehrleute im Einsatz mehrfach angegriffen.
Wie die Stadt ihre Mitarbeitenden schützt
Die Terminpflicht ist nur ein Teil der Reaktion. An allen Arbeitsplätzen hat die Stadt ein Alarmierungssystem eingerichtet. Fühlt sich jemand bedroht, löst ein Knopfdruck einen stillen Alarm aus, und die Kolleginnen und Kollegen auf dem Flur erhalten eine Meldung, um zu helfen. Aggressive Besucher werden nach Burghardts Worten immer wieder von der Polizei aus dem Haus gebracht. Ergänzend bietet die Stadt Deeskalationstrainings und Schulungen für heikle Gesprächssituationen an.
Gern hat Burghardt das Rathaus nicht geschlossen. Ein offenes Haus ist für ihn Ausdruck einer offenen Stadtgesellschaft, die Sicherheit der Beschäftigten habe aber Vorrang. Dass sich die Lage bald bessert, erwartet er nicht.
Was andere Verwaltungen daraus ableiten können
Rüsselsheim ist kein Einzelfall. Nach einer vorläufigen Auswertung des Bundesinnenministeriums stieg die Zahl der Straftaten gegen Amts- und Mandatsträger in Hessen 2024 gegenüber 2023 deutlich. Für Ämter mit Publikumsverkehr lohnt es sich, Zugang, Alarmwege und Schulung gemeinsam zu betrachten. Ein stiller Alarm wirkt nur, wenn vorher festgelegt ist, wer auf die Meldung reagiert und wie die Helfenden vorgehen. Ein regelmäßig wiederholtes Deeskalationstraining hilft, Gespräche gar nicht erst eskalieren zu lassen. Wie Städte das Thema organisatorisch angehen, beschreibt unser Beitrag zur Gewaltprävention im öffentlichen Dienst.
Quelle: hessenschau, Bericht vom Februar 2025

