Behörden schützen sich vor Gewalt

Im November 2017 berichteten die Lübecker Nachrichten über eine unangekündigte Gewaltschutzübung in der Amtsverwaltung Bornhöved in Trappenkamp. Beschäftigte probten dort, wie sie auf eine aggressive Besucherin reagieren. Hintergrund war die wachsende Zahl von Übergriffen auf Amtspersonen, zuletzt der Messerangriff auf den Bürgermeister von Altena. Auch andere Verwaltungen im Kreis Segeberg arbeiten mit Schutzkonzepten.

Wie die Übung ablief

Gespielt wurde eine Kundin, die wütend über einen Bescheid zur Straßensanierung von 20.000 Euro in ein Büro stürmt und die Sachbearbeiter anschreit. Der Angesprochene stand sofort auf. Kolleginnen, die den Lärm auf dem Flur hörten, verteilten Rollen: Eine führte das Gespräch und versuchte, die Frau aus dem Zimmer zu lenken, eine zweite achtete darauf, dass die erste genug Abstand hielt. Die Bedrohten verließen das Büro um den Schreibtisch herum, eine dritte Person räumte den Flur und hielt sich bereit, falls die Polizei gerufen werden musste.

Alle Beschäftigten hatten zu Jahresbeginn eine Sicherheitsschulung erhalten, die Übung sollte das Gelernte auffrischen. Verwaltungsleiter Jörg Tietgen betonte, dass niemand den Helden spielen solle. Aufstehen und Abstand schaffen sei die wichtigste Regel: „Wer sitzen bleibt, hat verloren.“

Was Räume und Technik beitragen

Gemeinsam mit dem Diba-Institut für Gewaltprävention wurde jedes Büro begutachtet. Wo möglich, gibt es eine zweite Tür oder Schreibtische, die frei im Raum stehen, damit niemand dahinter eingeklemmt wird. Schwere Gegenstände, die sich werfen lassen, wurden entfernt. Ein elektronisches Alarmierungssystem war in Vorbereitung, angestoßen nach tödlichen Angriffen auf Behördenmitarbeiter in Neuss 2012, Hameln 2013 und Rendsburg 2014.

Der Kreis Segeberg hat seit 2014 ein Sicherheitskonzept, vor allem für publikumsstarke Bereiche, in denen Entscheidungen mit großen finanziellen Folgen fallen. Das Jobcenter Kaltenkirchen erhielt beim Neubau Fluchttüren in den Büros und nutzt ein technisches Alarmierungssystem, verzichtet aber bewusst auf Sicherheitsdienst und Panzerglas. Geschäftsführer Michael Knapp spricht von einem Spagat zwischen Kundennähe und Sicherheit. Kai Tellkamp, Landesvorsitzender des Beamtenbundes Schleswig-Holstein, begrüßte solche Konzepte, warnte aber vor Aktionismus. Eine Statistik zu Übergriffen gab es nicht.

Warum geübte Abläufe den Unterschied machen

Das Beispiel Bornhöved zeigt, wie Schulung, Raumgestaltung und Technik zusammenwirken. Eine Schulung allein verblasst, wenn sie nicht regelmäßig geübt wird, etwa in Seminaren und Workshops zur Deeskalation. Ein stiller Alarm sorgt dafür, dass Kolleginnen und Kollegen auch dann kommen, wenn sie keinen Lärm hören. Weitere Beispiele aus Kommunen zeigt unser Beitrag zur Gewaltprävention im öffentlichen Dienst.

Quelle: Lübecker Nachrichten (ln-online.de), Bericht vom 30. November 2017