Mann sticht im Jobcenter auf Mitarbeiter ein

Anfang Dezember 2017 hat ein 37-jähriger Mann im Jobcenter im nordrhein-westfälischen Hattingen seinen zuständigen Sachbearbeiter während eines Gesprächstermins mit einem Messer angegriffen. Der Mitarbeiter erlitt Verletzungen an Bauch und Oberkörper. Der Angreifer floh zunächst, wurde kurz darauf aber festgenommen. Als Motiv nannte er, ihm seien Leistungen gekürzt worden.

Was Staatsanwaltschaft und Polizei mitteilten

Die Angaben stammen aus einer gemeinsamen Erklärung der Staatsanwaltschaft Essen und des Polizeipräsidiums Hagen. Danach griff der Mann an einem Montagnachmittag an. Dem Sachbearbeiter gelang es, sich hinter eine Tür zu retten, worauf der Täter das Gebäude verließ. Die Polizei stellte ihn wenig später. Er räumte die Tat ein.

Wie schwer die Verletzungen waren, war zum Zeitpunkt des Berichts nicht bekannt. Die Mordkommission in Hagen übernahm die Ermittlungen, am folgenden Tag sollte der Mann einem Haftrichter vorgeführt werden.

Warum Leistungskürzungen ein Risikofaktor sind

Viele Beschäftigte in Jobcentern kennen die Ausgangslage dieses Falls. Entscheidungen über Kürzungen oder Sanktionen treffen Menschen, die ohnehin unter Druck stehen. Das Gespräch findet meist unter vier Augen im Büro statt. Kippt die Stimmung, bleibt wenig Zeit zu reagieren. Dass sich der Mitarbeiter in Hattingen hinter eine Tür in Sicherheit bringen konnte, macht deutlich, wie wichtig ein erreichbarer Rückzugsweg bei der Einrichtung von Beratungsräumen ist.

Welche Maßnahmen Jobcenter prüfen sollten

Eine Gefährdungsbeurteilung klärt, welche Termine ein erhöhtes Risiko bergen, etwa weil eine Kürzung mitgeteilt wird. Für solche Gespräche kann es sinnvoll sein, eine zweite Person hinzuzuziehen oder den Termin in einem Raum mit zwei Ausgängen zu führen. Zugleich brauchen Beschäftigte eine Möglichkeit, unbemerkt Hilfe zu holen. Ein stiller Alarm am Arbeitsplatz verständigt Kolleginnen und Kollegen mit Angabe des Raums. Welche Anforderungen speziell im Jobcenter gelten, beschreiben wir unter Branchen. Ergänzend hilft ein Deeskalationstraining, angespannte Gespräche früh zu erkennen und zu entschärfen.

Quelle: Spiegel Online, Bericht von Anfang Dezember 2017