Im Frühjahr 2018 hat der Verband Bildung und Erziehung (VBE) die Ergebnisse einer bundesweiten Forsa-Umfrage unter 1.200 Leitungen allgemeinbildender Schulen vorgestellt. Knapp die Hälfte berichtete von psychischer Gewalt gegen Lehrkräfte in den vergangenen fünf Jahren, an jeder vierten Schule gab es körperliche Angriffe. VBE-Bundesvorsitzender Udo Beckmann forderte die Bildungsministerien auf, das Thema nicht länger kleinzureden.
Welche Schulen besonders betroffen sind
Psychische Gewalt wie Beleidigungen, Beschimpfungen oder Drohungen nannten 48 Prozent der Befragten. Am häufigsten traten sie an Haupt-, Real- und Gesamtschulen auf (59 Prozent), an Grundschulen lag der Anteil bei 46 und an Gymnasien bei 33 Prozent. Cybermobbing gegen Lehrkräfte war an einem Fünftel der Schulen bekannt geworden, wobei Grundschulen mit 13 Prozent deutlich seltener betroffen waren als die übrigen Schularten.
Bei körperlichen Angriffen kehrt sich das Bild um. Hier berichteten 32 Prozent der Grundschulleitungen von Vorfällen, an Haupt-, Real- und Gesamtschulen waren es zwölf, an Gymnasien vier Prozent. Ob die Angriffe von Kindern oder von Eltern ausgingen und was die Ursachen waren, erfasste die Umfrage nicht.
Wo es bei der Aufarbeitung hakt
In 87 Prozent der Fälle konnten betroffene Lehrkräfte nach Angaben der Schulleitungen unterstützt werden. Schwierig wurde es vor allem, wenn Schüler keine Einsicht zeigten (63 Prozent) oder Eltern nicht mitwirkten (59 Prozent). Ein Drittel sah das zuständige Ministerium nicht ausreichend engagiert, was Beckmann als skandalös bezeichnete. 22 Prozent empfanden die Meldung eines Vorfalls als zu bürokratisch. Beckmann verlangte öffentliche Statistiken, damit das Ausmaß für die Politik greifbar wird. Einen Trend lässt die Studie nicht zu, weil eine frühere VBE-Befragung von 2016 Lehrkräfte statt Schulleitungen befragt hatte.
Für Rheinland-Pfalz gibt es keine gesonderten Zahlen aus der Umfrage. Das Bildungsministerium in Mainz verwies laut dem Bericht auf die Polizeiliche Kriminalstatistik, in der angezeigte Delikte gegen Lehrkräfte erfasst werden. Betroffene können sich an das Pädagogische Landesinstitut mit seinen 14 schulpsychologischen Beratungszentren und an das Institut für Lehrergesundheit wenden.
Was Schulen konkret tun können
Aus unserer Sicht ergeben sich aus den Zahlen zwei Ansatzpunkte. Wenn mehr als jede fünfte Schulleitung die Meldung als zu aufwendig empfindet, bleiben Vorfälle unsichtbar. Ein einfacher, bekannter Meldeweg und eine konsequente Dokumentation sind deshalb die Grundlage jeder Gefährdungsbeurteilung. Im Unterricht wiederum sind Lehrkräfte oft allein mit der Klasse. Ein stiller Alarm ermöglicht es, unauffällig Kollegium oder Schulleitung zu verständigen. Zur Vorbeugung eignen sich Seminare und Workshops zur Deeskalation, auch für schwierige Elterngespräche. Weitere Hinweise für Bildungseinrichtungen haben wir unter Branchen zusammengestellt.
Quelle: Die Rheinpfalz, Zweibrücker Rundschau, Ausgabe Nr. 102, Mai 2018
