Anfang Mai 2018 hat der Verband Bildung und Erziehung (VBE) in Stuttgart eine Umfrage unter 251 Schulleitungen aus Baden-Württemberg vorgestellt. Danach haben 45 Prozent der Befragten an ihrer Schule bereits Beleidigungen, Mobbing oder Belästigungen von Lehrkräften durch Schüler erlebt. Der Verband warf Politik und Schulen vor, das Thema weiterhin kleinzureden, und stellte Forderungen an das Kultusministerium.
Welche Formen von Gewalt die Schulleitungen nennen
Neben verbalen Übergriffen spielt das Internet eine Rolle. Jeweils 16 Prozent der Befragten berichteten von Herabsetzungen und Drohungen im Netz sowie von körperlichen Angriffen auf Lehrerinnen und Lehrer. Bemerkenswert fand der VBE-Landesvorsitzende Gerhard Brand, dass bundesweit knapp ein Drittel der befragten Grundschulleitungen körperliche Angriffe meldete. Meist handle es sich um kleinere Schubser, doch gerade hier müsse man früh gegensteuern. Rund 36 Prozent der Rektorinnen und Rektoren halten das Thema für viel zu wenig beachtet. Zum Vergleich weist die amtliche Kriminalstatistik für 2016 in Baden-Württemberg fast 8.000 Straftaten am Tatort Schule während der Unterrichtswoche aus, davon rund 4.200 Diebstähle.
Was der Verband vom Land erwartet
Brand sieht das Land als Dienstherrn in der Fürsorgepflicht. Es müsse sich klar hinter seine Lehrkräfte stellen und Gewaltfälle anonymisiert in der amtlichen Schulstatistik erfassen, statt sie nur an den einzelnen Schulen zu dokumentieren. Zugleich appellierte er an Betroffene, offener über ihre Erfahrungen zu sprechen. Viele suchten den Fehler bei sich selbst, und manche Schulleitung halte Vorfälle aus Sorge um den Ruf der Schule zurück. Studium und Referendariat bereiteten nicht auf solche Situationen vor, die vorhandene Fortbildung sei fünffach überbucht. Für Betroffene forderte er einen einfachen Weg zu psychologischer Hilfe, etwa über die Schulpsychologie. Allerdings gaben 85 Prozent der Rektoren an, ihre Kollegen nach Gewalterfahrungen ausreichend unterstützt zu haben. Kultusministerin Susanne Eisenmann (CDU) verwies auf ein breites Angebot zur Prävention.
Was Schulen selbst tun können
Die Zahlen zeigen, dass Übergriffe im Schulalltag häufiger vorkommen, als es nach außen wirkt. Ein erster Schritt ist, Vorfälle konsequent zu erfassen und intern offen anzusprechen, damit Betroffene nicht allein bleiben. Da die Fortbildungen so stark nachgefragt sind, lohnt sich für Kollegien ein eigenes Deeskalationstraining, in dem Lehrkräfte üben, angespannte Gespräche zu beruhigen. Für Situationen, in denen ein Gespräch zu kippen droht, sollte zudem klar sein, wie Kolleginnen und Kollegen unauffällig herbeigeholt werden. Ein stiller Alarm im Lehrerzimmer oder Beratungsraum kann das unterstützen. Wie andere Bildungseinrichtungen ihre Abläufe aufstellen, fassen wir unter Branchen zusammen.
Quelle: SWR Aktuell, Bericht aus dem Mai 2018
