Zum Beginn des Schuljahres im August 2022 rüsten viele Schulbezirke in den USA ihre Klassenzimmer mit Panikalarmsystemen aus. Lehrkräfte sollen per tragbarem Knopf oder Smartphone-App schnell Hilfe holen und einen Lockdown auslösen können. Auslöser ist vor allem der Amoklauf an der Robb-Grundschule in Uvalde im Mai 2022, bei dem 19 Kinder und zwei Lehrerinnen getötet wurden.
Warum Schulbezirke in Panikknöpfe investieren
Mehrere Bundesstaaten schreiben solche Systeme inzwischen vor oder fördern sie. Einzelne Bezirke geben dafür Zehntausende Dollar pro Schule aus, dazu kommen Metalldetektoren, Kameras, Türverriegelungen und kugelsicheres Glas. Der Schulbezirk Olathe bei Kansas City hat sich für ein System entschieden, das umgerechnet gut 2,1 Millionen Euro über fünf Jahre kostet. Brent Kiger, dort für die Sicherheit zuständig, weist den Vorwurf einer Kurzschlussreaktion zurück. Er habe das System schon vor einem Vorfall im März geprüft, bei dem ein Schüler an einer High School des Bezirks zwei Menschen durch Schüsse verletzt hatte.
Das System in Olathe unterscheidet zwei Stufen. Wer mindestens acht Mal auf den Knopf drückt, löst einen Lockdown mit Blitzleuchten und einer aufgezeichneten Durchsage aus. Drei Drücke rufen Hilfe bei einem medizinischen Notfall oder einer Rangelei unter Schülern. Die Nachfrage stieg laut dem Hersteller schon vor Uvalde deutlich. Nach dem Anschlag in Parkland 2018 hatte die Mutter eines der 17 Todesopfer für Panikknöpfe geworben, Florida und New Jersey machten sie daraufhin per Gesetz zur Pflicht.
Was Kritiker einwenden
Ken Trump, Chef der Beratungsfirma National School Safety and Security Services, spricht von „Sicherheitstheater“. Sichtbare Technik lasse sich leichter vorzeigen als Schulungen, die aber am meisten bewirkten, etwa geschlossene Türen als Grundregel. Die Senatorin Cindy Holscher aus Kansas unterstützt die Knöpfe, hält aber den leichten Zugang zu Waffen für das eigentliche Problem.
Uvalde zeigt die Grenzen der Technik. Die Schule hatte eine Alarm-App, ein Mitarbeiter schickte eine Warnung, als sich der Angreifer näherte. Laut einem Untersuchungsbericht des texanischen Parlaments erreichte sie nicht alle Lehrkräfte, weil das WLAN schwach war oder Telefone ausgeschaltet oder weggelegt waren. Zudem verschickte die Schule häufig Warnungen wegen Verfolgungsjagden in der Umgebung, sodass die Meldung womöglich nicht ernst genommen wurde.
Was sich für Schulen in Deutschland ableiten lässt
Die Verhältnisse an amerikanischen Schulen lassen sich nicht auf Deutschland übertragen. Einige Erfahrungen gelten trotzdem für jede Alarmierung. Eine Warnung muss jeden Raum erreichen, auch wenn einzelne Geräte ausgeschaltet sind, zum Beispiel über eine Durchsage an alle Räume. Ein Amokalarm muss sich klar vom Feueralarm und von Routinemeldungen unterscheiden, sonst leidet die Glaubwürdigkeit. Und Lehrkräfte müssen wissen, was nach dem Alarm zu tun ist. Wie Schulen das üben, zeigt unser Beitrag zur Notfallvorbereitung an Schulen in Leimen, Grundlagen bieten die Sicherheitsstandards.
Quelle: RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND), Bericht vom August 2022
