Notaufnahmen wappnen sich gegen Übergriffe

Kliniken in Niedersachsen und Bremen haben im Frühjahr 2018 auf zunehmende Spannungen und Übergriffe in ihren Notaufnahmen reagiert. Nach einem Bericht der Deutschen Presse-Agentur setzen sie auf Notfallknöpfe, Videoüberwachung, Wachpersonal und Deeskalationsseminare für die Beschäftigten. Als Ursachen nennen die Häuser vor allem lange Wartezeiten, Alkohol und Ärger von Patienten oder Angehörigen, die an den Hausarzt verwiesen werden.

Welche Maßnahmen die Kliniken ergriffen haben

Das Nordstadtkrankenhaus in Hannover setzt seit Herbst 2017 Wachpersonal in der Notaufnahme ein. Laut Nikolas Gerdau, Sprecher des Klinikums Region Hannover, soll das die Beschäftigten schützen und ihnen Raum für ihre eigentliche Arbeit geben. Konflikte mit Patienten und Angehörigen seien dort immer wieder vorgekommen, verbal und teils auch körperlich, meist unter Alkoholeinfluss. In Bremen gibt es Notfallknöpfe in den Räumen der Notaufnahme. Das Klinikum Oldenburg hat auf Wunsch der Mitarbeitenden eine Überwachungskamera installiert und will Alarmknöpfe bald in allen Räumen anbieten.

Andere Häuser arbeiten mit bestehenden Diensten. An der Medizinischen Hochschule Hannover wird ein Wachmann, der eigentlich als Brandwache am Hubschrauberlandeplatz eingesetzt ist, auch zur Schlichtung gerufen, vor allem an Wochenenden. In Lüneburg sind nachts Wachleute im Haus, die bei Bedarf in die Notaufnahme kommen, nach Angaben der Klinik drei- bis viermal im Jahr. Wolfsburg setzt einen Sicherheitsdienst vor allem nachts an Wochenenden und Feiertagen ein. In Göttingen hat sich der seit 20 Jahren tätige Wachdienst nach Angaben der Universitätsmedizin vom Objektschutz zum Personenschutz entwickelt.

Was hinter den Spannungen steckt

Stefanie Beckröge vom Bremer Klinikverbund Gesundheit Nord beschreibt eine oft aggressive Grundstimmung. In der zentralen Notaufnahme des Klinikums Bremen-Mitte stieg die Zahl der Patienten seit 2010 um etwa 30 Prozent. Barbara Delvalle vom Klinikum Oldenburg verweist auf klare Prioritäten. Unfallopfer und Menschen in Lebensgefahr werden zuerst behandelt, was bei anderen Wartenden Unverständnis auslösen kann. Der Göttinger Sprecher Stefan Weller sieht eine sinkende Hemmschwelle, das Krankenhaus spiegele die gesellschaftliche Entwicklung.

Aus unserer Sicht zeigt der Überblick, dass keine einzelne Maßnahme ausreicht. Kameras dokumentieren, Wachleute kommen aber nur, wenn jemand sie schnell ruft. Ein stiller Alarm in jedem Behandlungsraum schließt diese Lücke, sofern klar geregelt ist, wer reagiert. Wie das im Klinikalltag funktioniert, beschreibt unser Beitrag zum stillen Alarm im Krankenhaus. Ergänzend helfen Seminare und Workshops zur Deeskalation, damit Pflegekräfte und Ärzte Konflikte früh entschärfen.

Quelle: Deutsches Ärzteblatt mit Material der dpa, Bericht vom März 2018