Klinik gibt weitere Einzelheiten zu tödlichem Messerangriff in Wiesloch bekannt

Empfangstresen in einem Krankenhausflur, Beitrag zum tödlichen Messerangriff in einer Klinik in Wiesloch

Von Stefan Müller, Head of Sales bei Gisbo · 11. September 2023

Im September 2023 floh ein 33-jähriger Patient des Maßregelvollzugs in Wiesloch (Rhein-Neckar-Kreis) auf dem begleiteten Weg zur Arbeitstherapie. Kurz darauf griff er in einem Geschäft eine junge Frau mit einem Messer an, sie starb. Das Psychiatrische Zentrum Nordbaden (PZN) hat danach Einzelheiten zum Ablauf bekannt gegeben.

Was die Klinik zum Ablauf mitgeteilt hat

Nach Angaben von Christian Oberbauer, Chefarzt und Leiter der Klinik für Forensische Psychiatrie und Psychotherapie am PZN, waren alle Sicherheitsvorgaben eingehalten. Zwei Pfleger begleiteten die Gruppe auf dem rund 200 Meter langen Weg und hielten Kontakt zu den Patienten. Der Mann hatte die fünfte von neun Lockerungsstufen erreicht und durfte die Station deshalb in Begleitung verlassen. Woher er das Messer hatte, war zunächst unklar. Zwischen Flucht und Angriff verging nur kurze Zeit. Entweichungen kommen laut Oberbauer im Schnitt fünfmal im Jahr vor, ein Ereignis wie dieses habe es aber noch nie gegeben.

Welche Folgen der Fall hatte

Das PZN richtete einen Krisenstab ein und schränkte die Ausgänge auf den Stationen vorübergehend ein. Unter Patienten und Beschäftigten herrschte tiefe Betroffenheit. Die SPD-Fraktion forderte eine Sondersitzung des Sozialausschusses im Landtag. Ihr Gesundheitsexperte Florian Wahl verwies auf Personal- und Platzmangel, was die Klinik zurückwies. Nach Angaben des PZN war im Vorjahr eine Station mit 24 Betten hinzugekommen, drei weitere Stationen mit 54 Betten waren im Bau.

Wie Kliniken ihr Personal schützen

Der Maßregelvollzug ist ein Krankenhaus und kein Gefängnis, Behandlung und schrittweise Lockerung gehören dazu. Für die Beschäftigten bedeutet das, dass Begleitungen und Übergaben klar geregelt sein müssen und im Notfall schnell Hilfe kommt, auch außerhalb der Station. Viele Kliniken nutzen dafür eine Alarm App auf dem Diensthandy und schulen den Umgang mit eskalierenden Situationen in einem Deeskalationstraining. Wie ein stiller Alarm in Notaufnahme und Station funktioniert, beschreiben wir im Beitrag Stiller Alarm im Krankenhaus.

Quelle: SWR Aktuell, Bericht vom 10. September 2023