Anfang März 2021 hat ein 26-jähriger Familienvater in Sulzbach Beschäftigte des Jugendamts bedroht, die an seiner Wohnungstür geklingelt hatten. Anschließend feuerte er mehrmals in die Luft, vermutlich mit einer Schreckschusswaffe. Verletzt wurde niemand. Das Spezialeinsatzkommando der saarländischen Polizei rückte an, nach rund zwei Stunden ließ sich der Mann ohne Gegenwehr festnehmen.
Wie der Einsatz nach Angaben der Polizei verlief
Gegen 15.45 Uhr wollten mehrere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Jugendamts des Regionalverbands Saarbrücken die Familie an ihrer Wohnanschrift aufsuchen. Sie wurden nicht hereingelassen. Der Mann drohte ihnen stattdessen mit einem Rohr. Die Beschäftigten zogen sich zurück und riefen die Polizei. Bevor die ersten Streifen eintrafen, gab er mehrere Schüsse in die Luft ab. Hinzugezogen wurde daraufhin das SEK des Landespolizeipräsidiums. Nach kurzen Verhandlungen kam der 26-Jährige gegen 17.45 Uhr an die Haustür und wurde festgenommen. Er kam in polizeilichen Gewahrsam, die sichergestellte Waffe sollte kriminaltechnisch untersucht werden. Warum das Jugendamt die Familie besuchen wollte, teilte die Polizei nicht mit.
Warum Hausbesuche besondere Vorsorge brauchen
Die Beschäftigten haben in Sulzbach richtig gehandelt. Sie haben sich nicht auf eine Auseinandersetzung eingelassen, sondern Abstand gesucht und Hilfe gerufen. Das klingt selbstverständlich, fällt aber in einer Drohsituation schwer, wenn es keine eingeübten Abläufe gibt. Mitarbeitende von Jugendämtern arbeiten bei Hausbesuchen außerhalb der eigenen Dienststelle, oft ohne zu wissen, was sie hinter der Tür erwartet. Eine Gefährdungsbeurteilung für den Außendienst sollte deshalb klären, wann Besuche zu zweit stattfinden, wer im Amt über den Termin Bescheid weiß und wie im Notfall Unterstützung angefordert wird.
Für die Arbeit unterwegs gibt es eine Alarm App für den Außendienst, mit der Beschäftigte ihre Kolleginnen und Kollegen in der Dienststelle unauffällig verständigen können. Sie ersetzt keinen Notruf, verkürzt aber die Zeit, bis im Amt jemand von der Lage weiß. Ebenso wichtig ist die Vorbereitung auf das Gespräch selbst. In einem Deeskalationstraining üben Teams, Warnzeichen früh zu erkennen und sich rechtzeitig aus einer Situation zu lösen. Welche Einrichtungen solche Konzepte nutzen, zeigt die Übersicht der Branchen.
Quelle: Saarländischer Rundfunk (SR), Bericht vom März 2021

