Am 24. Januar 2022 hat ein 18-jähriger Student in einem Hörsaal der Universität Heidelberg im Neuenheimer Feld auf Kommilitonen geschossen. Eine 23-jährige Studentin wurde tödlich getroffen, drei weitere Studierende erlitten leichte Verletzungen. Der Schütze nahm sich vor dem Gebäude das Leben. Drei Tage später waren die Verletzten aus der Klinik entlassen, das Motiv war weiter offen.
Was bis Ende Januar über die Tat bekannt war
Etwa 30 Studierende saßen im Hörsaal, als die Schüsse fielen. Nach Angaben der Polizei wurden zwei Frauen im Alter von 19 und 20 Jahren sowie ein 20-jähriger Mann ambulant behandelt. Der Täter studierte Biologie, wohnte in Mannheim und war bis dahin polizeilich nicht in Erscheinung getreten. Wenige Minuten nach den ersten Notrufen meldete sich sein Vater bei der Polizei. Der Sohn hatte ihm die Tat per WhatsApp angekündigt und geschrieben, Leute müssten jetzt bestraft werden. Wann die Nachricht genau einging, blieb zunächst unklar.
Eine Ermittlungsgruppe mit 32 Beamten nahm die Arbeit auf. Sie untersucht das Umfeld des Studenten und wertet die Datenträger aus, die das Spezialeinsatzkommando in seiner Wohnung sichergestellt hatte. Für einen politischen oder religiösen Hintergrund gab es nach Aussage von Innenminister Thomas Strobl keine Hinweise. Die beiden Langwaffen, ein Repetiergewehr und eine Schrotflinte, soll der Student wenige Tage vorher im Ausland erworben haben. In seinem Rucksack fanden sich 100 weitere Schuss Munition. Ralf Kusterer, Landesvorsitzender der Deutschen Polizeigewerkschaft, merkte an, dass solche Waffen schwer zu handhaben und für Nichtjäger in Deutschland legal kaum zu bekommen seien.
Wie Land und Hochschule reagierten
Ministerpräsident Winfried Kretschmann zeigte sich tief erschüttert. Er und Strobl legten allen, die die Tat miterlebt hatten, psychologische Hilfe nahe. Nach Angaben des Innenministers waren 26 Studierende und zwei Angehörige bereits persönlich angesprochen worden. Die Studierendenvertretung lud zu einer digitalen Gedenkfeier ein, für den 31. Januar war eine zentrale Trauerfeier in der Peterskirche angesetzt. Strobl sagte: „Die Universität soll und wird ein angstfreier Raum bleiben für junge Menschen.“
Was Hochschulen aus Heidelberg mitnehmen können
Universitäten sind offene Orte mit vielen Gebäuden, großen Hörsälen und ständig wechselnden Menschen. Kontrollen wie im Gericht passen dazu kaum. Umso wichtiger ist, dass Lehrende und Studierende wissen, was bei einer Bedrohung zu tun ist, und dass eine Warnung aller Räume schnell alle Gebäudeteile erreicht. Diese Warnung muss sich klar von einem Feueralarm unterscheiden, denn wer bei Schüssen ins Treppenhaus läuft, bringt sich womöglich in Gefahr. Welche Punkte ein belastbarer Notfallplan abdecken sollte, haben wir gesondert beschrieben. Heidelberg zeigt zudem, dass die Nachsorge dazugehört. Wer Zeugen und Angehörige anspricht und Hilfe vermittelt, sollte vorab geregelt sein. Wie lange eine solche Tat in einer Gemeinschaft nachwirkt, beschreibt unser Beitrag zum Amoklauf von Emsdetten.
Quelle: tagesschau.de, Bericht vom 27. Januar 2022

