Am 31. Juli 2020 hat ein 64-jähriger Mann auf dem Gelände der Universität Bremen einen 50-Jährigen mit einer Eisenstange angegriffen und verletzt. Polizei und Rettungskräfte sperrten den Campus für mehr als fünf Stunden, bis Spezialkräfte den Mann auf dem Dach eines Gebäudes festnahmen. Am folgenden Tag ordnete das Amtsgericht Bremen seine einstweilige Unterbringung in einem psychiatrischen Krankenhaus an.
Wie der Einsatz auf dem Campus verlief
Nach Angaben der Polizei ging der Notruf um 8.50 Uhr bei der Leitstelle ein. Tatort war das Naturwissenschaftsgebäude NW 2 an der Bibliothekstraße, ein Betonbau aus der Anfangszeit der Universität. Der Mann soll zudem versucht haben, eine 52-jährige Frau anzugreifen, bevor er auf das Flachdach flüchtete. Spezialkräfte durchsuchten das Gebäude nach möglichen weiteren Beteiligten, eine Verhandlungsgruppe der Polizei versuchte, ihn zum Aufgeben zu bewegen, offenbar ohne Erfolg. Um 14.10 Uhr meldete die Polizei die Festnahme, bei der der Mann unverletzt blieb. Der Verletzte konnte das Krankenhaus nach wenigen Stunden wieder verlassen.
Rund um die Universität standen Dutzende Fahrzeuge von Polizei, Feuerwehr und Rettungsdienst. Die Universitätsallee war stadteinwärts zwischen Bibliothekstraße und Wiener Straße gesperrt, die Spurensicherung arbeitete bis in den frühen Abend. Motiv, genauer Ablauf und die Beziehung zwischen den Beteiligten waren am Abend noch offen.
Was nach der Festnahme bekannt wurde
Laut Polizeisprecherin Stefanie Freund stützte sich die Unterbringung auf Paragraf 126a der Strafprozessordnung. Die Vorschrift betrifft Fälle, in denen eine fehlende oder verminderte Schuldfähigkeit in Betracht kommt und die öffentliche Sicherheit eine Unterbringung erfordert. Die Polizei ermittelte in Abstimmung mit der Staatsanwaltschaft Bremen weiter zum Beschuldigten und zu den Hintergründen.
Wie Hochschulen ihre Angehörigen warnen können
Die Universität hatte Beschäftigte und Studierende früh informiert. Ein wissenschaftlicher Mitarbeiter aus dem Fachbereich Biologie und Chemie schilderte, dass er und fünf Promovierende statt ins Labor zu gehen eine E-Mail der Unileitung erhielten, das Gebäude zu meiden. Eine Klausur in Mikroökonomie fiel aus. Parallel machte in sozialen Netzwerken die Meldung die Runde, es habe einen Überfall mit einer Axt gegeben.
Auf einem weitläufigen Campus erreicht eine E-Mail längst nicht jeden, der gerade im Hörsaal, im Labor oder auf dem Weg ins Gebäude ist. Eine Massenalarmierung über Meldungen am Rechner und auf dem Smartphone kann Hinweise gleichzeitig verteilen und je nach Gebäude unterschiedliche Anweisungen geben. Wer früh und offiziell informiert, lässt Gerüchten weniger Raum. Dazu gehört ein Notfallplan, der festlegt, wer warnt, welche Bereiche betroffen sind und wer die Entwarnung gibt. Hinweise dazu enthalten unsere Seiten zu Sicherheitsstandards und zu den Branchen, in denen Alarmierung eingesetzt wird.
Quelle: Weser-Kurier, Bericht aus dem August 2020

