Der mutmaßliche Angreifer vom Bremer Unigelände bleibt nach Polizeiangaben in Gewahrsam. Das Amtsgericht Bremen ordnete am Samstag die einstweilige Unterbringung des 64-Jährigen in einem psychiatrischen Krankenhaus an.

Der 64 Jahre alte mutmaßliche Angreifer vom Unigelände bleibt nach Polizeiangaben in Gewahrsam. Das Amtsgericht Bremen hat am Sonnabend die einstweilige Unterbringung des mutmaßlichen Angreifers angeordnet. Die Ermittlungen zu dem Beschuldigten und den Hintergründen der Tat vom Freitag dauerten an, teilte Polizeisprecherin Stefanie Freund mit. Dies geschehe in Absprache mit der federführenden Staatsanwaltschaft Bremen.

Den Angaben zufolge geschah die Unterbringung auf Grundlage des Paragrafen 126a der Strafprozessordnung. Der setzt voraus, dass entweder eine Schuldunfähigkeit oder verminderte Schuldunfähigkeit des mutmaßlichen Täters vorgelegen hat – oder dass die öffentliche Sicherheit die Unterbringung erfordert.

Nach dem Angriff mit einer Eisenstange auf einen 50-Jährigen hatte ein Großaufgebot von Polizei und Rettungskräften, wie berichtet, am Freitag mehr als fünf Stunden lang den Campus der Uni Bremen mit einem Großaufgebot an Einsatzkräften abgeriegelt. Der Mann wurde verletzt, konnte das Krankenhaus aber nach wenigen Stunden wieder verlassen. Ort des Geschehens war der Gebäudetrakt der Naturwissenschaften, NW 2, an der Bibliothekstraße.

Der Täter soll auch versucht haben, eine 52 Jahre alte Frau anzugreifen, ehe er sich auf das Flachdach des Gebäudes flüchtete. Der Notruf habe die Leitstelle um 8.50 Uhr erreicht. Um 14.10 Uhr gab die Polizei Entwarnung, der Mann sei von Spezialkräften unverletzt festgenommen worden.

Über soziale Netzwerke hatte sich vormittags rasch die Nachricht verbreitet, an der Uni sei ein Überfall mit einer Axt verübt worden. Die Polizei, die parallel via Kurznachrichtendienst Twitter über den Einsatz informierte, erreichte diverse Fragen, vor allem zur Verkehrsführung und die flehentliche Aufforderung: „Bitte nicht erschießen!“ Spezialkräfte suchten das NW 2, einen maroden Betonbau aus den Anfängen der Bremer Uni vor 50 Jahren, nach „weiteren Beteiligten“ ab.

Nach Informationen des WESER-KURIER sagte die Universität zumindest eine für Freitag angesetzte Klausur in Mikroökonomie ab. Die Uni hatte Beschäftigte und Studierende frühzeitig gewarnt. „Eigentlich wollten wir heute Morgen in einem der Labore im NW 2 arbeiten“, sagte Amin Avdestani, wissenschaftlicher Mitarbeiter im Fachbereich Biologie und Chemie. Stattdessen erreichte ihn und fünf Doktorandinnen sowie Doktoranden die E-Mail der Unileitung, dass sie sich von dem Gebäude an der Bibliothekstraße fernhalten sollten.

Noch eine Stunde vor der Festnahme hieß es von der Polizei, man wisse nicht, mit wem man es zu tun habe und welche Beweggründe der Täter habe. Auch am Ende des Tages blieb ungeklärt, in welchem Verhältnis Täter und Opfer stehen, was das Motiv und wie der Tatablauf war. Neben bewaffneten Spezialeinsatzkräften war laut Polizeisprecher Matthiesen auch eine „Verhandlungstruppe“ der Polizei am Ort des Geschehens, um den 64-Jährigen dazu zu bewegen, das Dach freiwillig zu verlassen, was offenbar nicht gelang.

Dutzende Einsatzfahrzeuge von Polizei, Feuerwehr und Rettungsdiensten säumten die Straßen im weiten Umkreis. Wie viele Einsatzkräfte beteiligt waren, wollte die Polizei nicht mitteilen. Die Universitätsallee war zwischen Bibliothekstraße und Wiener Straße stadteinwärts gesperrt. Der Einsatz zumindest der Spurensicherer dauerte bis in die frühen Abendstunden, unterdessen hielten auch die Verkehrsbeeinträchtigungen an.

 

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