Im Februar 2019 wurde bekannt, dass rund ein Drittel der Jobcenter und Arbeitsagenturen in Deutschland ein Sicherheitsunternehmen beauftragt hat. Nach einer Statistik der Bundesagentur für Arbeit, über die die „Bild am Sonntag“ berichtete, setzten 2018 insgesamt 457 von 1.373 Dienststellen Wachleute ein. Parallel baut die Bundesagentur Deeskalationskurse und Notwehrseminare für ihre Beschäftigten aus.
Wie sich die Zahlen entwickelt haben
Gegenüber dem Jahr davor bedeutet die Zahl von 2018 laut dem Bericht einen Anstieg um 7,5 Prozent. Der Schutz durch Wachpersonal ist in den Häusern der Arbeitsverwaltung damit keine Ausnahme mehr, sondern betrifft einen erheblichen Teil der Standorte.
Wie die Bundesagentur die Lage einschätzt
Valerie Holsboer, bei der Bundesagentur für das Personal verantwortlich, beschrieb gegenüber der Zeitung einen deutlich raueren Umgang: „Der Umgang ist rauer geworden. Wir erleben eine Grundverrohung.“ Viele Kundinnen und Kunden befänden sich in schwierigen Lebenslagen, entsprechend angespannt seien die Nerven. Beschimpfungen oder Drohungen müsse sich trotzdem niemand aus der Belegschaft gefallen lassen.
Als Reaktion sind Deeskalationskurse für Jobvermittler in der Ausbildung inzwischen verpflichtend. Außerdem bietet die Bundesagentur vermehrt Notwehrseminare an und stellt Beschäftigten nach Übergriffen über den Rechtsschutz einen Anwalt.
Was ein Sicherheitsdienst leisten kann und wo er an Grenzen stößt
Wachleute im Eingangsbereich wirken abschreckend und können bei lauten Auseinandersetzungen schnell eingreifen. Viele Beratungsgespräche finden aber in Einzelbüros statt. Kippt dort ein Gespräch, bekommt der Sicherheitsdienst davon zunächst nichts mit. Deshalb gehört zu einem Schutzkonzept auch ein stiller Alarm, mit dem Beschäftigte unauffällig Kolleginnen und Kollegen und den Sicherheitsdienst ins Büro holen. Ebenso wichtig ist, dass alle wissen, wer auf einen Alarm reagiert und wie. Regelmäßiges Deeskalationstraining hilft, viele Situationen gar nicht erst eskalieren zu lassen. Welche Anforderungen Jobcenter und andere Verwaltungen typischerweise haben, zeigt unsere Übersicht der Branchen.
Quelle: wa.de, Bericht vom 10. Februar 2019
