München – Wie die Stadt ihre Mitarbeiter besser schützen will

Die Stadt München will die Beschäftigten ihrer Sozialbehörden besser vor Übergriffen schützen. Nach einer Beschlussvorlage, die am 4. Dezember 2018 in zwei Ausschüssen des Stadtrats vorgestellt wurde, sind zusätzliche Wachleute, ein neues Alarmierungssystem und bauliche Veränderungen geplant. Hintergrund ist eine deutliche Zunahme von Beleidigungen, Drohungen und Angriffen auf Mitarbeitende des Sozialreferats.

Wie sich die Zahl der Übergriffe entwickelt hat

Die Statistik des Sozialreferats weist für 2013 insgesamt 83 gewaltsame Übergriffe auf städtische Beschäftigte aus. 2016 waren es 108, im Jahr darauf bereits 142. Für 2017 nennt der Bericht außerdem 17 Strafanzeigen und 58 Hausverbote. Die Vorfälle reichen von Beleidigungen und Schubsereien bis zu Körperverletzungen. In einem Notquartier griff jemand mit einem Messer an, in anderen Fällen kündigten Besucher an, alle umzubringen.

Einen Sicherheitsdienst in den Fluren gibt es im Sozialreferat und seinen Außenstellen schon seit vielen Jahren, deutlich länger als im Rathaus oder in anderen städtischen Behörden. Laut dem Bericht hängt das mit den Anliegen zusammen. Wer zum Sozialamt kommt, sucht oft Hilfe in existenziellen Fragen, bei sozialen oder psychischen Problemen oder bei Suchterkrankungen. Da kochen Emotionen schneller hoch als bei einem Termin in der Führerscheinstelle.

Was die Stadt konkret plant

Bei einer Einstufung aller städtischen Büroarbeitsplätze landete mehr als die Hälfte der Stellen im Sozialreferat in der höchsten Gefährdungsstufe. Diese Büros haben bereits einen Notrufknopf, der den Wachdienst per Funk in das richtige Zimmer führt. Das System gilt jedoch als veraltet, Ersatzteile sind nicht mehr erhältlich. Sozialreferentin Dorothee Schiwy will deshalb bis Ende 2020 ein neues Rufsystem anschaffen. Hinzu kommen soll ein computergestützter Alarm für Brand und Amoklauf. Beschäftigte der höchsten Stufe tragen außerdem einen unauffälligen Taschenalarm mit einer Doppelsirene von 102 Dezibel bei sich, der auch in den Rucksäcken für den Außendienst der Sozialbürgerhäuser steckt. Nach Einschätzung von Schiwy kann ein solches Signal helfen, gefährliche Situationen zu entschärfen.

Was andere Verwaltungen daraus ableiten können

Der Münchner Ansatz beginnt mit einer Gefährdungsbeurteilung jedes Arbeitsplatzes und leitet daraus die Ausstattung ab. Das ist sinnvoll, weil nicht jedes Büro dasselbe Risiko trägt. Wichtig ist, dass die Technik mitwächst. Ein mehrstufiges Alarmierungssystem verbindet den Notruf aus dem Büro mit der Information des Wachdienstes und der Kolleginnen und Kollegen. Für Brand und Amok braucht es getrennte Signale und eine Durchsage an alle, damit jeder weiß, ob er das Gebäude verlassen oder im Raum bleiben soll. Für Beschäftigte unterwegs eignet sich eine Alarm App für den Außendienst als Ergänzung zum Taschenalarm.

Quelle: Süddeutsche Zeitung, Bericht vom Dezember 2018